Vorwort des Vorstands

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Jahr 2015 ist für die HSH Nordbank maßgeblich geprägt gewesen von der positiven Entscheidung der EU-Kommission im Beihilfeverfahren. Nach zweijährigen Verhandlungen kam im Oktober 2015 aus Brüssel grünes Licht. Damit haben wir nun Planungssicherheit sowie eine klare Zukunftsperspektive. Die Einigung mit der EU gibt der HSH Nordbank die Möglichkeit, Altlasten in Höhe von bis zu 6,2 Milliarden Euro an eine im Dezember 2015 von den Ländern­ Hamburg und Schleswig-Holstein gegründete Anstalt öffentlichen Rechts zu veräußern. Geplant ist zunächst ein Transfer in Höhe von 5 Milliarden Euro im Sommer 2016. Weitere ­kritische Assets im Wert von bis zu 3,2 Milliarden Euro kann die HSH Nordbank danach am Markt veräußern. Die Verluste aus den Verkäufen werden gegen die bestehende Garantie ­abgerechnet. Damit befreit sich die Bank zumindest von einem Teil der gewaltigen Altlasten, die aus der Zeit vor dem Jahr 2009 stammen. Allerdings, das sollte nicht unerwähnt bleiben, hätten wir uns eine umfangreichere Entlastung gewünscht. Die aus der Vergangenheit stammenden Non-Performing-Loans belasten die HSH Nordbank nach wie vor in hohem Maß und verschleiern ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit. Denn sie binden Kapital und schlagen sich – verkürzt ausgedrückt – negativ in der Bilanz nieder. In letzter Konsequenz werden sie den potenziellen Kaufpreis für die HSH Nordbank mindern. Das muss allen Beteiligten bewusst sein.

Der für 2018 geplante Eigentümerwechsel wird die HSH Nordbank vor enorme Herausforderungen stellen – gleichzeitig bedeutet er eine große Chance. In diesem Spannungsfeld wird sich die Bank in den nächsten zwei Jahren bewegen. Um den Eigentümerwechsel erfolgreich gestalten zu können, müssen wir jetzt die Voraussetzungen dafür schaffen. Ein Investor wird sich für die HSH Nordbank nur dann interessieren, wenn er von ihrer Struktur, ihrer Leistungsfähigkeit sowie ihrem langfristigen Potenzial überzeugt ist. Dazu gehören neben einem soliden und historisch gewachsenen Kundenstamm und einer guten Marktstellung effiziente Prozesse im Vertrieb und in der Marktfolge bei einem insgesamt angemessenen Verhältnis von Kosten und Ertrag.

Ein Blick auf unsere Ergebnisse des vergangenen Jahrs belegt die operative Stärke der HSH Nordbank und zeigt ihr Potenzial, mittel- und langfristig stabile Erträge zu erwirtschaf­ten. Im Jahr 2015 hat die HSH Nordbank ein positives Ergebnis vor Steuern in Höhe von 450 Millionen Euro erzielt. Allerdings ist dieser Gewinn stark von technischen Effekten geprägt, die unmittelbar mit der komplexen Garantiestruktur zusammenhängen. Die Bank hat sich operativ gut entwickelt und den Gesamtertrag um fast 70 Prozent auf 995 Millionen Euro gesteigert. Das ist besonders bemerkenswert in einem schwierigen Marktumfeld und angesichts der langen Unsicherheit bis zur informellen Einigung mit der EU-Kommission im Oktober 2015. Das Neugeschäftsvolumen ist bei guten Margen und hohen Auszahlungsquoten den unterjährigen Planungen entsprechend leicht gesunken. Es liegt mit 8,8 Milliarden Euro nach einem sehr starken Jahr 2014 allerdings deutlich über dem Niveau von 2013. Entscheidend ist hierbei, dass es uns immer besser gelingt, den Kreditbestand ausgewogen auf die Bereiche Shipping, Unternehmenskunden und Immobilienkunden zu verteilen. Sie machen in etwa jeweils ein Drittel des Volumens aus. Während wir im Shipping – der Bereich ist nach wie vor von den anhaltend schwachen Schifffahrtsmärkten gekennzeichnet – den Bestand bewusst reduzieren, gewinnen die Bereiche Immobilien- und Unternehmenskunden an Bedeutung. Besonders erfolgreich waren wir 2015 unter anderem bei der Finanzierung regenerativer Energien – eine Zukunftsbranche, in der wir in Deutschland sowie in Europa zu den Marktführern gehören.

Gleichzeitig haben wir uns gegen die Risiken im Portfolio konsequent und umfangreich gewappnet: Angesichts der sich weiter verschlechternden Schifffahrtsmärkte und der bereits berücksichtigten Effekte im Zuge der anstehenden Abtrennung von Non-Performing-Loans in die Sphäre der Länder hat die Bank eine sehr hohe Risikovorsorge von gut 3 Milliarden Euro vor Garantieeffekten gebildet. Der ganz wesentliche Teil betrifft das alte Schifffahrtsportfolio. Nach Garantieeffekten, inklusive der beträchtlichen Auflösung vormals gebildeter Prämien, ergab sich ein positiver Saldo für die Risikovorsorge in Höhe von 304 Millionen Euro. Verbleibende Risiken, die sich unverändert aus dem alten Shipping-Portfolio ergeben, werden wir ­weiterhin genau im Blick behalten. Wie bereits in den Vorjahren hat die HSH Nordbank auch zum Jahresabschluss 2015 mit 12,3 Prozent eine solide harte Kapitalquote ausgewiesen. Sie ist ein Beleg für die Stabilität der Bank. Die Bilanzsumme ist – vor allem aufgrund des plan­mäßigen Abbaus in der Restructuring Unit – von 110 auf 97 Milliarden Euro gesunken.

Insgesamt blickt die HSH Nordbank auf ein ebenso herausforderndes wie erfolgreiches Jahr 2015 zurück. Der Abschluss des EU-Beihilfeverfahrens ist ein wichtiger Meilenstein – und gleichzeitig Startpunkt für eine neue Ära. Wir sind überzeugt, dass die HSH Nordbank für Investoren eine interessante Bank sein wird. Sie verfügt über eine starke Marktstellung, bereits jetzt gut funktionierende Prozesse, an denen wir weiter arbeiten, sowie über kompetente, ­motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihre Marktposition im Norden Deutschlands ist ausgezeichnet, auch im übrigen Bundesgebiet ist sie präsent. Die Voraussetzungen für einen neuen Eigentümer sind also gut. Zumal er das Potenzial der Bank künftig voll entwickeln kann, und zwar ohne die von der EU-Kommission vorgegebenen Beschränkungen, die unsere Geschäftsmöglichkeiten aktuell einschränken.

Vor der HSH Nordbank liegen zwei entscheidende Jahre, die von großen Anstrengungen und unter Umständen unpopulären Entscheidungen geprägt sein werden. Wir werden alles für ­einen erfolgreichen Eigentümerwechsel tun und sind davon überzeugt, dass dieser Schritt in eine gute Zukunft gelingen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift: Vorstandsvorsitzender
Constantin von Oesterreich
Vorstandsvorsitzender
Unterschrift: stv. Vorstandsvorsitzender
Stefan Ermisch
stv. Vorstandsvorsitzender
Finanzvorstand
Unterschrift: Vorstand Shipping-, Projekt- & Immobilienfinanzierungen
Torsten Temp
Vorstand Shipping, Projekt- &
Immobilienfinanzierungen
Unterschrift: Risikovorstand
Ulrik Lackschewitz
Risikovorstand
Unterschrift: Vorstand Corporates & Markets
Matthias Wittenburg
Vorstand Corporates & Markets